"Las Vegas"

 

 

 

 

 

 

Unser 25-igster Hochzeitstag in Las Vegas - 12. Juni 2011

Hier einige Fotos

   

 

Es war einfach unsere schönste Erlebniss-Reise, die wir bestimmt nie vergessen werden!

http://www.myvideo.de/watch/8269451/Silberhochzeit_in_Las_Vegas

Hier ist ein kleiner Reisebericht verfasst von meiner Freundin und Buchautorin

Dorothé Sargon, aus Monte Pego, Spanien

"Einmal Las Vegas und zurück"

 Alexander und Dorothee zählten mit ihren 70 Jahren zu der rüstigen Rentnergruppe, die keinen Stillstand akzeptierte, waren immer in Bewegung und auf der Suche, Neues zu entdecken. Nach einem arbeitsreichen Leben hatten sie endlich Zeit, Träume zu verwirklichen. Das Wort ‘Langeweile’ kannten sie nicht. Die Wintermonate im kalten, schneereichen Deutschland tauschten sie gegen Aufenthalte an der Costa Blanca in Spanien.

»Bloß niemals Couchpotato werden«, war ihre Devise.

 In ihren Urlauben hatten sie viele Länder der Vereinigten Staaten von Amerika bereist und waren stets fasziniert von der Größe dieses Landes, den Sehenswürdigkeiten und Angeboten aller Art. Selbstverständlich fehlte bei keinem Aufenthalt Las Vegas im Staat Nevada. Dieser Ort zog sie auf all ihren Reisen magisch an. Nein, nicht um zu spielen, die gigantischen Bauten interessierten sie. Seit sie in Rente waren, hatten sie im Laufe der Jahre den Medien entnommen, dass Las Vegas seit Ende der 90er Jahre riesig gewachsen war. Nicht nur an Fläche, sondern durch Zuwanderungen aus allen Staaten Amerikas, besonders Kalifornien und dem Ausland. Zusätzlich waren einige Casinos neu gebaut worden. Ihr Wunsch, noch einmal nach Las Vegas zu fliegen, wurde stärker und stärker. Während eines Aufenthalts in Spanien sprachen sie über ihre Reisewünsche mit einem befreundeten Ehepaar, das noch nie in den Staaten war. Und ehe sie sich versahen, war die Planungsphase abgeschlossen, die Reiseroute ausgearbeitet, Flugtickets gekauft und Hotel inklusive Frühstück gebucht. 

 Flugroute in die Vereinigten Staaten:

Valencia – Madrid

Madrid – Los Angeles

Los Angeles – Las Vegas

Aufenthalt in Las Vegas: 8 Tage

Flugroute zurück nach Spanien:

Las Vegas – Chikago

Chikago – Madrid

Madrid – Valencia

 Ihre Freunde, René und Ute, die vor ca. 15 Jahren von Luxemburg nach Spanien umgezogen waren, beschlossen spontan, ihre Silberhochzeit, die in die geplante Reisezeit fiel, in Las Vegas zu feiern und in einer Wedding Chapel ihr Eheversprechen zu erneuern. Zwei Tage vor Reisebeginn flog noch ihre 30jährige Tochter Severine von Luxemburg ein, die sich ebenfalls auf Las Vegas freute. Über das Internet pflegten René und Ute seit Jahren Kontakte zu zwei Ehepaaren in Texas (Cheryl und Bill) und in Oregon (Rea und Allen), die sofort versprachen, zu den Feierlichkeiten ebenfalls nach Las Vegas zu kommen.

„Wir holen euch am 8. Juni um 4:45 Uhr ab und fahren gemeinsam nach Valencia“, sagten René und Ute am Abend zuvor.

„In das Auto unseres Freundes passen bequem sechs Personen und für Gepäck ist auch genügend Platz.“

Alexander und Dorothee stellten am 7. Juni abends extra zwei Wecker auf 3:45 Uhr. Die Koffer hatten sie gepackt, alles war für die Abreise vorbereitet. Um 21 Uhr legten sie sich entspannt und voller Vorfreude ins Bett und waren ziemlich schnell eingeschlafen. Sie befanden sich noch im Reich der Träume, als die Torklingel sie unsanft aus dem Schlaf riss. Mit Entsetzen registrierten sie, dass die Radiowecker kläglich versagt hatten. Kein Wunder, denn sie vergaßen, den Ton zu überprüfen.

»Wie blöd kann man eigentlich sein? Die Weckfunktion haben wir noch nie gebraucht, Radio hören wir nur selten im Bett. Wichtig ist für uns nur die digitale Zeitangabe«, dachte Dorothee entsetzt. Und überhaupt, wozu brauchen Rentner einen Wecker? Ihre Freunde nahmen ihr Verpennen mit Humor. Innerhalb von 20 Minuten waren sie reisefertig. Zwei Minuten nach Fahrtantritt stellte Dorothee fest, dass ihr Handy noch am Ladegerät hing. Ohne dieses Kommunikationsmittel eine solche Reise anzutreten, ging nun wirklich nicht. Also fuhren sie zurück, um das Handy samt Ladegerät zu holen. In Amerika stellte sich heraus, dass das spanische Handy nicht funktionierte.

»Die Reise fängt ja vielversprechend an«, dachte Dorothee.

»Es kann jetzt nur noch besser werden.«

Nach circa 1 1/2 Stunden erreichte die kleine Gruppe den Flughafen Valencia und startete um 8:00 Uhr mit Iberia nach Madrid. Auf dem Weg zu einem kleinen Bistro im Madrider Flughafen, wo sie gemütlich frühstücken wollten, fuhr ein eilig hastender Reisender seinen Gepäckwagen seitlich über Utes Schuh. Ein Riemen riss, sodass der Fuß keinen Halt mehr hatte. Zum Glück hatte sie keine Verletzung.

»Was nun?«, fragte sich die Gruppe. »Barfuss nach Amerika?« Ein zweites Paar steckte im aufgegebenen Koffer. Ute kaufte in einem Geschäft neue und entsorgte die alten. Danach bestellten sie sich ein Frühstück, denn der Weiterflug nach Los Angeles war erst gegen Mittag.

„Alle guten Dinge sind drei“, ließ Alexander mit vollem Munde verlauten. „Murphys Gesetz ist somit erfüllt.“ Alle lachten. Gut gelaunt und mit etwas gefüllten Mägen checkten sie drei Stunden später ein. Der Iberia-Flug startete mit einer Stunde Verspätung, obwohl nur zwei Flugzeuge vor ihnen auf Starterlaubnis warteten, und landete erst nach dreizehn endlos langen Stunden in Los Angeles. Nach sieben Stunden wurden Dorothees Beine − trotz Stützstrümpfen − unruhig. Das Buch ‘Die Wanderhure’ konnte sie nicht mehr fesseln und eine Stewardess sagte, dass noch weitere sechs Stunden Flug vor ihnen liegen würden. Der Flieger flog auf Kerosin-Sparkurs.

»Wie soll ich das aushalten?«, fragte sich eine von Dorothees grauen Zellen. Die gesamte Gruppe war unruhig und wäre am liebsten ausgestiegen. Beim Blick in die Runde sah sie schon leicht verdrehte Augen, ein flüchtiger Anflug von Wahnsinn? Irgendwie gingen diese noch verbliebenen sechs Stunden herum und sie landeten mit enormer Verspätung in LA. Der pünktliche Weiterflug nach Las Vegas stand in den Sternen, zumal in Los Angeles mit den aufgegebenen Koffern die Einreiseformalitäten erledigt werden mussten. Eine riesige Menschenmenge wurde von vier Beamten abgefertigt. Mit stoischer Ruhe prüften die Beamten die Papiere und ließen sich nicht beirren. Elektronische Finger- und Daumenabdrucke musste das System erfassen, zum Schluss wurden noch die Augen abgelichtet. Das System hatte häufige Ausfälle. Die Sekunden wurden zu endlosen Minuten. Freundlicherweise sagte der Beamte noch, dass die Abfertigungshalle von American Airlines im nächsten Gebäude sei. Dorothee trieb die Gruppe mehrmals zur Eile an, denn mindestens 500 Meter mussten im Laufschritt mit Gepäck überwunden werden, bis es Alexander reichte. Er meckerte:

„Hör endlich auf, Sch... auf den Flieger, dann gehen wir eben zu Fuß nach Las Vegas!“ Er hatte die Lacher auf seiner Seite.

 Da der Koffer von Dorothee aus Zeitmangel nicht mehr aufgegeben werden konnte, musste sie ihn nach der Durchleuchtung öffnen und prompt wurden Duschgel, Haarspray und Haarschaum entfernt. 50,-- Euro landeten einfach im Müll. Dass sie den Flieger noch erreicht hatten, konnte sie jetzt nicht mehr versöhnen. Ihre Laune war im Keller. Während des einstündigen Flugs wurde ihnen Kaffee in einem Styroporbecher serviert. Der Becher hatte einen undefinierbaren Geruch, der den Kaffee ungenießbar machte. Die Stimmung aller sank nun endgültig auf den tiefsten Punkt. Endlich, nach über 28 Stunden Reisezeit, landeten sie in Las Vegas. Sie warteten auf Utes Koffer. Irgendeine Kleinigkeit führte dazu, dass Dorothees Nerven rebellierten und sie fing an zu meckern:

„Es reicht, ich habe genug, ich fliege sofort zurück. Ich habe die Nase gestrichen voll! Was für eine blöde Reise! 28 Stunden Nikotin-Entzug, Hetze ohne Ende. Schluss, basta.“ Ihre Begleiter schauten sie entgeistert an. Alexander ignorierte ihren Ausbruch und wollte ein Großraumtaxi, das sie zum Hotel fahren sollte, besorgen. Dorothee ging zu den Waschräumen, machte sich frisch und beruhigte sich. Anschließend schlenderte sie mit dem Rest der Gruppe vor das Flughafengebäude, weil alle gierig auf eine Zigarette waren und es nicht mehr ohne Qualm aushalten konnten. Alexander hatte den Taxistand gefunden, der auf der hinteren Seite des Flughafengebäudes war und suchte nun in der Halle nach der Gruppe, die natürlich nicht mehr am Ausgangspunkt stand, obwohl er sie gebeten hatte, zu warten. Seine Schäfchen hatten sich in Luft aufgelöst und er rannte suchend umher bis er sie vor dem Ausgang fand, durch den er zehn Minuten zuvor gegangen war. Weil er die Gruppe dort nicht vermutet hatte, und er schon einige Zeit herumgeirrt war, reagierte er entsprechend, was seinem ein Jahr zuvor operiertem Herz nicht so gut bekam. Auch er machte seinem Herzen Luft und meckerte lautstark:

„Ihr seid schlimmer als ein Sack Flöhe zu hüten.“ Wortlos marschierte die Gruppe im Gänsemarsch um das Flughafengebäude herum auf die hintere Seite. Dorothee stellte wieder einmal fest, dass man in Amerika gut zu Fuß sein musste. Man sah zwar die Ziele, aber sie waren endlos weit. Viele Menschen, geleitet durch Bahnen, wie sie an den Eincheckschaltern üblich sind, warteten auf Taxis. Nach ca. 25 Minuten hatten sie ihr Taxi und Dorothee stand der hinteren Taxitür am nächsten. Beim Einsteigen unterschätzte sie wohl die Einstiegshöhe und rammte ihren rechten großen Zeh an einer scharfen Kante im unteren Türbereich. Die sofort eingesetzte Blutung war während der Fahrt zum Hotel mit fünf Tempo-Taschentüchern nicht zu stoppen. Das Blut lief über die Innensohle der Birkenstock-Sandale auf den Boden des Taxis. Das war mehr als peinlich. Vom Taxifahrer bekam sie ein bedauerndes Lächeln als sie am Ziel ankamen. Jede Menge Pflaster, auf allen Reisen eine Notausrüstung, halfen, den großen ‘Onkel’ später im Hotelzimmer fachmännisch zu versorgen. Dorothee fand für sich Murphys Gesetz bestätigt. Drei Zwischenfälle waren seit Reiseantritt eingetreten: Verschlafen, Handy vergessen und die Verletzung am Zeh.

»Mit geschlossenen Schuhen wäre so etwas nicht passiert. Aber hinterher ist man immer klüger«, dachte sie.

»Es kann nur noch positive Überraschungen geben«, sagte ihr Verstand abschließend. Völlig kaputt und geschafft sanken Alexander und Dorothee in ihre King-Size-Betten, während René, Ute und Severine nach einem leichten Abendessen schrieen, das sie im Hotel einnehmen wollten. Dorothee und Alexander wollten nur noch schlafen und landeten schnell im Reich der Träume.

Ihre Zimmer waren mit einer Verbindungstür ausgestattet. So konnten sie gleich nach dem Aufwachen beratschlagen, was sie nach dem Frühstück als Erstes unternehmen wollten. Da sie Hotel und Frühstück per Internet schon in Spanien gebucht hatten, erhielten sie Frühstücksgutscheine zu je 8,99 $. René war ein Frühaufsteher und hatte gegen 7 Uhr die gesamten Gutscheine erworben. Obwohl ein Drittel der angebotenen Frühstücke auf der Karte diesen Preis auswiesen, durften sie nur das Angebot Nr. 1 wählen. 2 Gekochte Eier, oder 2 Rühreier, oder 2 Spiegeleier mit Bacon oder Würstchen, Bratkartoffeln und Toast. Kaffee oder Tee, so viel man wollte, kostete pro Person extra 2,70 $ inkl. Tax. Und das nun acht Tage lang. Wo war das servicefreundliche Amerika? Jedenfalls nicht in Las Vegas. Nach zwei Tagen kam allen das Frühstück aus der Nase und der eine oder andere machte seinem Unmut Platz. Die Gutscheine wurden auch nicht zurückgenommen. Und überhaupt, es sei doch mal hier die Frage erlaubt:

»Ist es üblich, wenn man Hotel mit Frühstück bucht, ein extra Frühstückspreis in den Unterlagen ausgewiesen ist − ohne Kaffee oder Tee?« Merkwürdig, aber wie ihr seht, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist alles möglich!

Da es mörderisch heiß war, lechzten alle danach, Wasser zu besorgen. Severine lotste die Gruppe mit ihrem Navigationshandy, das im Madrider Flughafen hervorragend funktioniert hatte, zu einem Supermarkt, der ganz in der Nähe sein sollte. Nach 20 Minuten Fußmarsch war kein Supermarkt in Sicht, die Straße endlos, die Hitze unerträglich. Dorothee mit ihrem verletzten großen Onkel streikte, denn die Wunde blutete wieder. Sie blieb einfach stehen. Ute hatte sich mittlerweile mit den neuen Schuhen Blasen gelaufen.

„Ich gehe bei dieser Affenhitze keinen Schritt mehr, das ist Selbstmord“, ließ sie verlauten. Severine, die Jüngste der Gruppe, war fit und hätte noch Kilometer laufen können. Die Männer wären – so wie es aussah – bis ans Ende der Welt marschiert, um an Wasser heranzukommen. Da sie Kavaliere waren, beugten sie sich dem Wunsch der Damen.

Ein Taxi hielt, war jedoch zu klein für fünf Personen. Während sie noch beratschlagten, kam ein zweites Taxi. Alexander schlug vor, nach Nord Las Vegas zu fahren. Neben Spielcasinos, die man sich anschauen könne, gäbe es dort die Möglichkeit, sich mit Wasser einzudecken. Der zweite Taxifahrer kannte angeblich den Weg, das erste Taxi mit René, Ute und Severine solle folgen, meinte er großspurig. Das Verkehrsaufkommen war sehr stark. Der Taxifahrer von Dorothee und Alexander bog falsch ab. Dieses bemängelte der erste Taxifahrer sofort. Sicher wählte er den richtigen Weg. Alexander und Dorothee erlebten eine Irrfahrt, die kein Ende nahm. Nachdem die Taxiuhr mehr als 22,-- Dollar zeigte und Alexander endlich die Irrfahrt bemerkte, sagte er zum Fahrer, dass er nicht mehr als 22,-- Dollar zahlen würde und er ohne Umwege das Ziel anfahren solle. Bei 38,90 Dollar waren sie endlich mit 30 Minuten Verspätung am Ziel, von den Freunden keine Spur. Der Taxifahrer entschuldigte sich und nahm die 22,-- Dollar. Da Alexander solche Spielchen von Taxifahrern aus früheren Besuchen kannte, hatte er vor Fahrtantritt die Freunde gewarnt, wachsam zu sein. Nun hatte es ihn selbst getroffen. Es sei daher die Frage erlaubt:

»Was machen Fremde, die Las Vegas zum ersten Mal besuchen?«

 Alexander und Dorothee schlenderten mehrere Stunden durch diverse Spielcasinos, kauften Wasser auf Vorrat, bestellten erneut ein Taxi, das sie dann nach drei Stunden zum Normalpreis auf dem schnellsten Weg zu ihrem Hotel fuhr. Die Freunde empfingen sie mit großem Gelächter, denn ihr Taxifahrer hatte sie schon während der Hinfahrt aufgeklärt und war den kürzesten Weg gefahren.

 René hatte in der Zwischenzeit Kontakt zu seinen Freunden aufgenommen und verabredete sich mit Cheryl und Bill sowie Rea und Allen im Hotelcasino Monte Carlo, in dem letztere ein Zimmer gebucht hatten. Um 19 Uhr verließ die Gruppe das Hotel, nahm ein Großraumtaxi und fuhr zum Monte Carlo. Die Freunde aus Texas verspäteten sich um eine halbe Stunde, was nicht weiter schlimm war. So konnten alle noch das Monte Carlo ansehen.

 Am nächsten Morgen hatte René keine Stimme mehr, er krächzte nur vor sich hin. Rea und Allen meinten, dass die Stimmbandreizung in Las Vegas keine Seltenheit sei und brachten einige Medikamente zur Besserung. Trotz dieses Handicaps packte René, Ute und Severine die Einkaufswut und die nächsten zwei Tage gingen sie an den Vormittagen auf Tour. Utes Blasen waren mittlerweile so groß wie ihre Daumennägel, platzten auf, hinderten sie jedoch nicht, die Einkaufstouren abzubrechen. Ein echter Indianer kennt keinen Schmerz. Schuhe, Hemden, Kleider, T-Shirts, kurzum alles, was das Herz begehrte, wurde eingekauft. Die Nachmittage und Abende verbrachten sie mit den amerikanischen Freunden.

Dorothee und Alexander konnten dem Überangebot an Waren ebenfalls nicht widerstehen und kauften für ihren Enkel vier T-Shirts mit Las Vegas-Symbolen. Alexander erstand ein Calvin-Klein-Hemd und Dorothee kaufte sich zwei Strandkleider. Die nächsten zwei Nachmittage besuchten sie alle Casinos, die sie noch nicht kannten. Die Casinos überboten sich an Attraktionen.

Am Sonntag, den 12.06.2011, war Utes und Renés Silberhochzeit. Dorothee war für die dekorative Kosmetik von Mutter und Tochter zuständig. Zudem schenkte sie Renés Outfit und Frisur einen prüfenden Blick, zupfte hier und da noch ein bisschen, dann konnte es losgehen. Um 17:00 Uhr wollten die beiden nach 25 Jahren ihr Eheversprechen in einer Wedding Chapel erneuern. Die Stretch-Limousine für neun Personen kam pünktlich gegen 16:30 Uhr. Alle Gäste waren mittlerweile eingetroffen, nahmen in der Limousine Platz und waren in Vorfreude auf die Zeremonie in der Wedding Chapel. Severine fühlte sich in der Stretch-Limousine wie ein Superstar und lächelte hoheitsvoll alle Mitfahrer an. Viel zu schnell war die Fahrt zu Ende.

 René und der Pfarrer, die Zeugen Alexander und Dorothee, standen im Pavillon, als Ute, von Allen geführt, den Pavillon betrat und sich neben René stellte. Es war ergreifend, wie René mit feuchten Augen seine Ute ansah und der Pfarrer mit seiner Rede begann. Er verglich die Ehe mit einem Rosengarten, der gehegt und gepflegt werden müsse, um richtig zu gedeihen. Dies sei dem Paar in den 25 Jahren Ehe gut gelungen.

„Wie man sehen kann, weiß ich vom Düngen eine Menge und mein grüner Daumen hilft mir sehr dabei“, platze Ute heraus. Alle lachten, inklusive dem Pfarrer, der dann kundtat, dass er so ein lustiges Eheversprechen noch nie gehabt hat. Ein langer, intensiver Kuss besiegelte die Erneuerung ihres Eheversprechens. Musik ertönte, es wurde geklatscht und das Paar tanzte hingebungsvoll einen langsamen Walzer.

 Zwei Tage blieben der Gruppe noch, gemeinsame Unternehmungen zu starten, die meist von Besichtigungen geprägt waren. Das Wachsfigurenkabinett durfte nicht fehlen und natürlich die Blue Men Show. 

 Am letzten Tag ihres Aufenthaltes kribbelte es Dorothee in den Fingern. Wenigstens einmal wollte sie ihr Glück an den Ein-Arm-Banditen mit 1-Cent-Stücken herausfordern. Alle Maschinen versprachen zwischen 1000 und 5000 Dollar Gewinn. Sie setzte 10 Dollar ein und bis auf 2 Dollar verlor sie innerhalb einer halben Stunde. Sie gab nicht auf. Plötzlich signalisierte der Ein-Arm-Bandit mal 320 1-Cent-Stücke, mal 180 usw. Sie spielte sich hoch bis auf insgesamt 40,-- Dollar. Schnell ließ sie den Papiercoupon an der Kasse in Dollarscheine wechseln. 30,-- Dollar Gewinn waren zwar nicht viel, aber wenigstens hatte sie ihren Einsatz raus und etwas mehr Dollars in der Geldbörse.

 Am 14. Juni trafen sich alle noch einmal zu einem Abschiedstrunk.

 Mit einem lachenden und einem weinenden Auge wurden die Koffer gepackt und an die Rückreise gedacht. Einhellig vertraten alle die Meinung, dass die Rückflüge problemloser sein würden. Gegen Mitternacht lagen sie in ihren Betten.

 Damit Alexander und Dorothee nicht wieder verpennten, ließen sie sich am nächsten Morgen per Telefon um 5:00 Uhr wecken. Kurze Zeit später klopfte Ute an die Zwischentür, steckte ihren Kopf durch und mit einem verschmitzen Lächeln flötete sie:

„Aufstehen, verpennen gibt’s nicht, in einer halben Stunde treffen wir uns beim Frühstück!“

 Für 7:00 Uhr war ein Taxi bestellt, das die kleine Gruppe  zwei Stunden vor Abflug zum Flughafen brachte. Prompt fuhr auch dieser Taxifahrer am Schalter American Airlines vorbei, musste nochmals eine große Runde drehen, was sich mit 4,50 Dollar Mehrkosten auf der Uhr bemerkbar machte, bis er die Gruppe absetzte. 

 Good bye Amerika, good bye Las Vegas !

 Das Einchecken geschah ohne nennenswerte Zwischenfälle. Leider flog die Maschine wieder mit erheblicher Verspätung ab. Es war fraglich, den Iberia-Anschlussflug von Chikago nach Madrid zu erreichen. Da noch zwei Personen nach Madrid fliegen wollten, wartete die Iberia-Maschine.

 Eine Hostess stand am Ausstieg des American-Airline-Fliegers und brachte alle sieben Personen im Dauerlauf zur Iberia-Maschine. Als sie sah, dass der siebte Flugpassagier gehbehindert war, verfrachtete sie ihn kurzerhand in einen Rollstuhl und rannte mit ihm hinter der Gruppe her. Erneut waren endlose Distanzen von einem zum anderen Flugsteig zu überwinden.

 „Nee, das ist ja wieder hammerhart“, meckerte Dorothee. „Diese Hektik und Rennerei ist nichts mehr für Oma und Opa, zukünftig gibt’s nur noch Reisen in Europa.“

Sämtliche Passagiere hatten schon eingecheckt. Auf dem Weg zu ihren Sitzplätzen erhaschten die sieben heftig atmenden Nachzügler, mit Schweißperlen auf der Stirn, von vielen ein verständnisvolles Lächeln. Unverzüglich hob die Maschine ab und landete nach acht Stunden Flugzeit fast pünktlich in Madrid. Mit Air Nostrum ging es  nach circa  zwei Stunden weiter nach Valencia.

 Fazit der Reise:

Ein Aufenthalt in Las Vegas ist anscheinend ohne Las Vegas-Koller nicht möglich. Kurz nach der Ankunft ereilte er Alexander und Dorothee, sie nannten ihn den ‘Reisekoller’. Während des Aufenthalts bekamen René, Ute und Severine den ‘Las Vegas-Koller’, was nicht verwunderlich war. Egal, welches Casino man betrat, die Geräuschkulisse, besonders die Musik, beleidigte die Ohren.

Abschließend sei festgehalten:

 Drei Tage Las Vegas reichen dicke, acht Tage sind fünf zu viel!

   Als die Nachzügler die Iberia Maschine in Chikago erreicht hatten, war der ‘Take-Off-Befehl’ zum Abflug schon erfolgt. Auf ihr Gepäck konnte sie nicht mehr warten. Das merkten sie erst, als sie ihre Koffer am Gepäckband in Valencia abholen wollten. Sie warteten, doch die Koffer kamen nicht. Fassunglos starrten sie auf das mittlerweile bewegungslose Band.

Nach einiger Zeit klärte sie ein freundlicher Zöllner auf:

 „Es kommt nichts mehr, Sie warten vergeblich.“

Das aufgegebene Gepäck wurde zwei Tage später nachgeliefert.

 Dorothee und Alexander waren glücklich, dass sich ihr Wunsch: ‘Noch einmal Las Vegas und zurück’ erfüllt hatte. Gleichzeitig stellten sie fest, dass eine derartig lange Reise an ihre Grenzen stieß.

 René, Ute und Severine wurden vom Amerika-Fieber angesteckt. Für das kommende Jahr planen sie eine neue Reise nach Kalifornien und Texas. Kein Wunder, Dorothee und Alexander ging es viele Jahre ähnlich.

© Dorothée Sargon

Hier geht es zu iher Homepage:

Autorin_Dorothee_Sargon

Am letzten Tag war ich nur noch müde und wollte wieder nach Hause,

obschon es noch so Vieles zu sehen gab.

Hier kannst du dir noch ein tolles Video über Las Vegas ansehen!

 

 

 

 

"Sarah Brightman - This Love"

 

 

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