Hier
ist ein kleiner
Reisebericht verfasst
von meiner Freundin und
Buchautorin
Dorothé
Sargon, aus Monte Pego,
Spanien
"Einmal Las Vegas und zurück"
Alexander
und Dorothee zählten
mit ihren 70 Jahren zu
der rüstigen
Rentnergruppe, die
keinen Stillstand
akzeptierte, waren immer
in Bewegung und auf der
Suche, Neues zu
entdecken. Nach einem
arbeitsreichen Leben
hatten sie endlich Zeit,
Träume zu
verwirklichen. Das Wort
‘Langeweile’ kannten
sie nicht. Die
Wintermonate im kalten,
schneereichen
Deutschland tauschten
sie gegen Aufenthalte an
der Costa Blanca in
Spanien.
»Bloß
niemals Couchpotato
werden«, war ihre
Devise.
In ihren Urlauben
hatten sie viele Länder
der Vereinigten Staaten
von Amerika bereist und
waren stets fasziniert
von der Größe dieses
Landes, den Sehenswürdigkeiten
und Angeboten aller Art.
Selbstverständlich
fehlte bei keinem
Aufenthalt Las Vegas im
Staat Nevada. Dieser Ort
zog sie auf all ihren
Reisen magisch an. Nein,
nicht um zu spielen, die
gigantischen Bauten
interessierten sie. Seit
sie in Rente waren,
hatten sie im Laufe der
Jahre den Medien
entnommen, dass Las
Vegas seit Ende der 90er
Jahre riesig gewachsen
war. Nicht nur an Fläche,
sondern durch
Zuwanderungen aus allen
Staaten Amerikas,
besonders Kalifornien
und dem Ausland. Zusätzlich
waren einige Casinos neu
gebaut worden. Ihr
Wunsch, noch einmal nach
Las Vegas zu fliegen,
wurde stärker und stärker.
Während eines
Aufenthalts in Spanien
sprachen sie über ihre
Reisewünsche mit einem
befreundeten Ehepaar,
das noch nie in den
Staaten war. Und ehe sie
sich versahen, war die
Planungsphase
abgeschlossen, die
Reiseroute
ausgearbeitet,
Flugtickets gekauft und
Hotel inklusive Frühstück
gebucht.
Flugroute in die Vereinigten Staaten:
Valencia
– Madrid
Madrid
– Los Angeles
Los
Angeles – Las Vegas
Aufenthalt
in Las Vegas: 8 Tage
Flugroute zurück nach
Spanien:
Las
Vegas – Chikago
Chikago
– Madrid
Madrid
– Valencia
Ihre
Freunde, René und Ute,
die vor ca. 15 Jahren
von Luxemburg nach
Spanien umgezogen waren,
beschlossen spontan,
ihre Silberhochzeit, die
in die geplante
Reisezeit fiel, in Las
Vegas zu feiern und in
einer Wedding Chapel ihr
Eheversprechen zu
erneuern. Zwei Tage vor
Reisebeginn flog noch
ihre 30jährige Tochter
Severine von Luxemburg
ein, die sich ebenfalls
auf Las Vegas freute. Über
das Internet pflegten
René und Ute seit
Jahren Kontakte zu zwei
Ehepaaren in Texas
(Cheryl und Bill) und in
Oregon (Rea und Allen),
die sofort versprachen,
zu den Feierlichkeiten
ebenfalls nach Las Vegas
zu kommen.
„Wir
holen euch am 8. Juni um
4:45 Uhr ab und fahren
gemeinsam nach
Valencia“, sagten René
und Ute am Abend zuvor.
„In
das Auto unseres
Freundes passen bequem
sechs Personen und für
Gepäck ist auch genügend
Platz.“
Alexander
und Dorothee stellten am
7. Juni abends extra
zwei Wecker auf 3:45
Uhr. Die Koffer hatten
sie gepackt, alles war für
die Abreise vorbereitet.
Um 21 Uhr legten sie
sich entspannt und
voller Vorfreude ins
Bett und waren ziemlich
schnell eingeschlafen.
Sie befanden sich noch
im Reich der Träume,
als die Torklingel sie
unsanft aus dem Schlaf
riss. Mit Entsetzen
registrierten sie, dass
die Radiowecker kläglich
versagt hatten. Kein
Wunder, denn sie vergaßen,
den Ton zu überprüfen.
»Wie
blöd kann man
eigentlich sein? Die
Weckfunktion haben wir
noch nie gebraucht,
Radio hören wir nur
selten im Bett. Wichtig
ist für uns nur die
digitale Zeitangabe«,
dachte Dorothee
entsetzt. Und überhaupt,
wozu brauchen Rentner
einen Wecker? Ihre
Freunde nahmen ihr
Verpennen mit Humor.
Innerhalb von 20 Minuten
waren sie reisefertig.
Zwei Minuten nach
Fahrtantritt stellte
Dorothee fest, dass ihr
Handy noch am Ladegerät
hing. Ohne dieses
Kommunikationsmittel
eine solche Reise
anzutreten, ging nun
wirklich nicht. Also
fuhren sie zurück, um
das Handy samt Ladegerät
zu holen. In Amerika
stellte sich heraus,
dass das spanische Handy
nicht funktionierte.
»Die
Reise fängt ja
vielversprechend an«,
dachte Dorothee.
»Es
kann jetzt nur noch
besser werden.«
Nach
circa 1 1/2 Stunden
erreichte die kleine
Gruppe den Flughafen
Valencia und startete um
8:00 Uhr mit Iberia nach
Madrid. Auf dem Weg zu
einem kleinen Bistro im
Madrider Flughafen, wo
sie gemütlich frühstücken
wollten, fuhr ein eilig
hastender Reisender
seinen Gepäckwagen
seitlich über Utes
Schuh. Ein Riemen riss,
sodass der Fuß keinen
Halt mehr hatte. Zum Glück
hatte sie keine
Verletzung.
»Was
nun?«, fragte sich die
Gruppe. »Barfuss nach
Amerika?« Ein zweites
Paar steckte im
aufgegebenen Koffer. Ute
kaufte in einem Geschäft
neue und entsorgte die
alten. Danach bestellten
sie sich ein Frühstück,
denn der Weiterflug nach
Los Angeles war erst
gegen Mittag.
„Alle
guten Dinge sind
drei“, ließ Alexander
mit vollem Munde
verlauten. „Murphys
Gesetz ist somit erfüllt.“
Alle lachten. Gut
gelaunt und mit etwas
gefüllten Mägen
checkten sie drei
Stunden später ein. Der
Iberia-Flug startete mit
einer Stunde Verspätung,
obwohl nur zwei
Flugzeuge vor ihnen auf
Starterlaubnis warteten,
und landete erst nach
dreizehn endlos langen
Stunden in Los Angeles.
Nach sieben Stunden
wurden Dorothees Beine
− trotz Stützstrümpfen
− unruhig. Das
Buch ‘Die
Wanderhure’ konnte sie
nicht mehr fesseln und
eine Stewardess sagte,
dass noch weitere sechs
Stunden Flug vor ihnen
liegen würden. Der
Flieger flog auf
Kerosin-Sparkurs.
»Wie
soll ich das aushalten?«,
fragte sich eine von
Dorothees grauen Zellen.
Die gesamte Gruppe war
unruhig und wäre am
liebsten ausgestiegen.
Beim Blick in die Runde
sah sie schon leicht
verdrehte Augen, ein flüchtiger
Anflug von Wahnsinn?
Irgendwie gingen diese
noch verbliebenen sechs
Stunden herum und sie
landeten mit enormer
Verspätung in LA. Der pünktliche
Weiterflug nach Las
Vegas stand in den
Sternen, zumal in Los
Angeles mit den
aufgegebenen Koffern die
Einreiseformalitäten
erledigt werden mussten.
Eine riesige
Menschenmenge wurde von
vier Beamten
abgefertigt. Mit
stoischer Ruhe prüften
die Beamten die Papiere
und ließen sich nicht
beirren. Elektronische
Finger- und
Daumenabdrucke musste
das System erfassen, zum
Schluss wurden noch die
Augen abgelichtet. Das
System hatte häufige
Ausfälle. Die Sekunden
wurden zu endlosen
Minuten.
Freundlicherweise sagte
der Beamte noch, dass
die Abfertigungshalle
von American Airlines im
nächsten Gebäude sei.
Dorothee trieb die
Gruppe mehrmals zur Eile
an, denn mindestens 500
Meter mussten im
Laufschritt mit Gepäck
überwunden werden, bis
es Alexander reichte. Er
meckerte:
„Hör
endlich auf, Sch... auf
den Flieger, dann gehen
wir eben zu Fuß nach
Las Vegas!“ Er hatte
die Lacher auf seiner
Seite.
Da der Koffer von
Dorothee aus Zeitmangel
nicht mehr aufgegeben
werden konnte, musste
sie ihn nach der
Durchleuchtung öffnen
und prompt wurden
Duschgel, Haarspray und
Haarschaum entfernt.
50,-- Euro landeten
einfach im Müll. Dass
sie den Flieger noch
erreicht hatten, konnte
sie jetzt nicht mehr
versöhnen. Ihre Laune
war im Keller. Während
des einstündigen Flugs
wurde ihnen Kaffee in
einem Styroporbecher
serviert. Der Becher
hatte einen
undefinierbaren Geruch,
der den Kaffee ungenießbar
machte. Die Stimmung
aller sank nun endgültig
auf den tiefsten Punkt.
Endlich, nach über 28
Stunden Reisezeit,
landeten sie in Las
Vegas. Sie warteten auf
Utes Koffer. Irgendeine
Kleinigkeit führte
dazu, dass Dorothees
Nerven rebellierten und
sie fing an zu meckern:
„Es
reicht, ich habe genug,
ich fliege sofort zurück.
Ich habe die Nase
gestrichen voll! Was für
eine blöde Reise! 28
Stunden Nikotin-Entzug,
Hetze ohne Ende.
Schluss, basta.“ Ihre
Begleiter schauten sie
entgeistert an.
Alexander ignorierte
ihren Ausbruch und
wollte ein Großraumtaxi,
das sie zum Hotel fahren
sollte, besorgen.
Dorothee ging zu den
Waschräumen, machte
sich frisch und
beruhigte sich. Anschließend
schlenderte sie mit dem
Rest der Gruppe vor das
Flughafengebäude, weil
alle gierig auf eine
Zigarette waren und es
nicht mehr ohne Qualm
aushalten konnten.
Alexander hatte den
Taxistand gefunden, der
auf der hinteren Seite
des Flughafengebäudes
war und suchte nun in
der Halle nach der
Gruppe, die natürlich
nicht mehr am
Ausgangspunkt stand,
obwohl er sie gebeten
hatte, zu warten. Seine
Schäfchen hatten sich
in Luft aufgelöst und
er rannte suchend umher
bis er sie vor dem
Ausgang fand, durch den
er zehn Minuten zuvor
gegangen war. Weil er
die Gruppe dort nicht
vermutet hatte, und er
schon einige Zeit
herumgeirrt war,
reagierte er
entsprechend, was seinem
ein Jahr zuvor
operiertem Herz nicht so
gut bekam. Auch er
machte seinem Herzen
Luft und meckerte
lautstark:
„Ihr
seid schlimmer als ein
Sack Flöhe zu hüten.“
Wortlos marschierte die
Gruppe im Gänsemarsch
um das Flughafengebäude
herum auf die hintere
Seite. Dorothee stellte
wieder einmal fest, dass
man in Amerika gut zu Fuß
sein musste. Man sah
zwar die Ziele, aber sie
waren endlos weit. Viele
Menschen, geleitet durch
Bahnen, wie sie an den
Eincheckschaltern üblich
sind, warteten auf
Taxis. Nach ca. 25
Minuten hatten sie ihr
Taxi und Dorothee stand
der hinteren Taxitür am
nächsten. Beim
Einsteigen unterschätzte
sie wohl die Einstiegshöhe
und rammte ihren rechten
großen Zeh an einer
scharfen Kante im
unteren Türbereich. Die
sofort eingesetzte
Blutung war während der
Fahrt zum Hotel mit fünf
Tempo-Taschentüchern
nicht zu stoppen. Das
Blut lief über die
Innensohle der
Birkenstock-Sandale auf
den Boden des Taxis. Das
war mehr als peinlich.
Vom Taxifahrer bekam sie
ein bedauerndes Lächeln
als sie am Ziel ankamen.
Jede Menge Pflaster, auf
allen Reisen eine
Notausrüstung, halfen,
den großen ‘Onkel’
später im Hotelzimmer
fachmännisch zu
versorgen. Dorothee fand
für sich Murphys Gesetz
bestätigt. Drei
Zwischenfälle waren
seit Reiseantritt
eingetreten:
Verschlafen, Handy
vergessen und die
Verletzung am Zeh.
»Mit
geschlossenen Schuhen wäre
so etwas nicht passiert.
Aber hinterher ist man
immer klüger«, dachte
sie.
»Es
kann nur noch positive
Überraschungen geben«,
sagte ihr Verstand
abschließend. Völlig
kaputt und geschafft
sanken Alexander und
Dorothee in ihre
King-Size-Betten, während
René, Ute und Severine
nach einem leichten
Abendessen schrieen, das
sie im Hotel einnehmen
wollten. Dorothee und
Alexander wollten nur
noch schlafen und
landeten schnell im
Reich der Träume.
Ihre
Zimmer waren mit einer
Verbindungstür
ausgestattet. So konnten
sie gleich nach dem
Aufwachen beratschlagen,
was sie nach dem Frühstück
als Erstes unternehmen
wollten. Da sie Hotel
und Frühstück per
Internet schon in
Spanien gebucht hatten,
erhielten sie Frühstücksgutscheine
zu je 8,99 $. René war
ein Frühaufsteher und
hatte gegen 7 Uhr die
gesamten Gutscheine
erworben. Obwohl ein
Drittel der angebotenen
Frühstücke auf der
Karte diesen Preis
auswiesen, durften sie
nur das Angebot Nr. 1 wählen.
2 Gekochte Eier, oder 2
Rühreier, oder 2
Spiegeleier mit Bacon
oder Würstchen,
Bratkartoffeln und
Toast. Kaffee oder Tee,
so viel man wollte,
kostete pro Person extra
2,70 $ inkl. Tax. Und
das nun acht Tage lang.
Wo war das
servicefreundliche
Amerika? Jedenfalls
nicht in Las Vegas. Nach
zwei Tagen kam allen das
Frühstück aus der Nase
und der eine oder andere
machte seinem Unmut
Platz. Die Gutscheine
wurden auch nicht zurückgenommen.
Und überhaupt, es sei
doch mal hier die Frage
erlaubt:
»Ist
es üblich, wenn man
Hotel mit Frühstück
bucht, ein extra Frühstückspreis
in den Unterlagen
ausgewiesen ist −
ohne Kaffee oder Tee?«
Merkwürdig, aber wie
ihr seht, im Land der
unbegrenzten Möglichkeiten
ist alles möglich!
Da
es mörderisch heiß
war, lechzten alle
danach, Wasser zu
besorgen. Severine
lotste die Gruppe mit
ihrem Navigationshandy,
das im Madrider
Flughafen hervorragend
funktioniert hatte, zu
einem Supermarkt, der
ganz in der Nähe sein
sollte. Nach 20 Minuten
Fußmarsch war kein
Supermarkt in Sicht, die
Straße endlos, die
Hitze unerträglich.
Dorothee mit ihrem
verletzten großen Onkel
streikte, denn die Wunde
blutete wieder. Sie
blieb einfach stehen.
Ute hatte sich
mittlerweile mit den
neuen Schuhen Blasen
gelaufen.
„Ich
gehe bei dieser
Affenhitze keinen
Schritt mehr, das ist
Selbstmord“, ließ sie
verlauten. Severine, die
Jüngste der Gruppe, war
fit und hätte noch
Kilometer laufen können.
Die Männer wären –
so wie es aussah – bis
ans Ende der Welt
marschiert, um an Wasser
heranzukommen. Da sie
Kavaliere waren, beugten
sie sich dem Wunsch der
Damen.
Ein
Taxi hielt, war jedoch
zu klein für fünf
Personen. Während sie
noch beratschlagten, kam
ein zweites Taxi.
Alexander schlug vor,
nach Nord Las Vegas zu
fahren. Neben
Spielcasinos, die man
sich anschauen könne, gäbe
es dort die Möglichkeit,
sich mit Wasser
einzudecken. Der zweite
Taxifahrer kannte
angeblich den Weg, das
erste Taxi mit René,
Ute und Severine solle
folgen, meinte er großspurig.
Das Verkehrsaufkommen
war sehr stark. Der
Taxifahrer von Dorothee
und Alexander bog falsch
ab. Dieses bemängelte
der erste Taxifahrer
sofort. Sicher wählte
er den richtigen Weg.
Alexander und Dorothee
erlebten eine Irrfahrt,
die kein Ende nahm.
Nachdem die Taxiuhr mehr
als 22,-- Dollar zeigte
und Alexander endlich
die Irrfahrt bemerkte,
sagte er zum Fahrer,
dass er nicht mehr als
22,-- Dollar zahlen würde
und er ohne Umwege das
Ziel anfahren solle. Bei
38,90 Dollar waren sie
endlich mit 30 Minuten
Verspätung am Ziel, von
den Freunden keine Spur.
Der Taxifahrer
entschuldigte sich und
nahm die 22,-- Dollar.
Da Alexander solche
Spielchen von
Taxifahrern aus früheren
Besuchen kannte, hatte
er vor Fahrtantritt die
Freunde gewarnt, wachsam
zu sein. Nun hatte es
ihn selbst getroffen. Es
sei daher die Frage
erlaubt:
»Was
machen Fremde, die Las
Vegas zum ersten Mal
besuchen?«
Alexander und
Dorothee schlenderten
mehrere Stunden durch
diverse Spielcasinos,
kauften Wasser auf
Vorrat, bestellten
erneut ein Taxi, das sie
dann nach drei Stunden
zum Normalpreis auf dem
schnellsten Weg zu ihrem
Hotel fuhr. Die Freunde
empfingen sie mit großem
Gelächter, denn ihr
Taxifahrer hatte sie
schon während der
Hinfahrt aufgeklärt und
war den kürzesten Weg
gefahren.
René hatte in der
Zwischenzeit Kontakt zu
seinen Freunden
aufgenommen und
verabredete sich mit
Cheryl und Bill sowie
Rea und Allen im
Hotelcasino Monte Carlo,
in dem letztere ein
Zimmer gebucht hatten.
Um 19 Uhr verließ die
Gruppe das Hotel, nahm
ein Großraumtaxi und
fuhr zum Monte Carlo.
Die Freunde aus Texas
verspäteten sich um
eine halbe Stunde, was
nicht weiter schlimm
war. So konnten alle
noch das Monte Carlo
ansehen.
Am nächsten
Morgen hatte René keine
Stimme mehr, er krächzte
nur vor sich hin. Rea
und Allen meinten, dass
die Stimmbandreizung in
Las Vegas keine
Seltenheit sei und
brachten einige
Medikamente zur
Besserung. Trotz dieses
Handicaps packte René,
Ute und Severine die
Einkaufswut und die nächsten
zwei Tage gingen sie an
den Vormittagen auf
Tour. Utes Blasen waren
mittlerweile so groß
wie ihre Daumennägel,
platzten auf, hinderten
sie jedoch nicht, die
Einkaufstouren
abzubrechen. Ein echter
Indianer kennt keinen
Schmerz. Schuhe, Hemden,
Kleider, T-Shirts,
kurzum alles, was das
Herz begehrte, wurde
eingekauft. Die
Nachmittage und Abende
verbrachten sie mit den
amerikanischen Freunden.
Dorothee
und Alexander konnten
dem Überangebot an
Waren ebenfalls nicht
widerstehen und kauften
für ihren Enkel vier
T-Shirts mit Las
Vegas-Symbolen.
Alexander erstand ein
Calvin-Klein-Hemd und
Dorothee kaufte sich
zwei Strandkleider. Die
nächsten zwei
Nachmittage besuchten
sie alle Casinos, die
sie noch nicht kannten.
Die Casinos überboten
sich an Attraktionen.
Am
Sonntag, den 12.06.2011,
war Utes und Renés
Silberhochzeit. Dorothee
war für die dekorative
Kosmetik von Mutter und
Tochter zuständig.
Zudem schenkte sie Renés
Outfit und Frisur einen
prüfenden Blick, zupfte
hier und da noch ein
bisschen, dann konnte es
losgehen. Um 17:00 Uhr
wollten die beiden nach
25 Jahren ihr
Eheversprechen in einer
Wedding Chapel erneuern.
Die Stretch-Limousine für
neun Personen kam pünktlich
gegen 16:30 Uhr. Alle Gäste
waren mittlerweile
eingetroffen, nahmen in
der Limousine Platz und
waren in Vorfreude auf
die Zeremonie in der
Wedding Chapel. Severine
fühlte sich in der
Stretch-Limousine wie
ein Superstar und lächelte
hoheitsvoll alle
Mitfahrer an. Viel zu
schnell war die Fahrt zu
Ende.
René
und der Pfarrer, die
Zeugen Alexander und
Dorothee, standen im
Pavillon, als Ute, von
Allen geführt, den
Pavillon betrat und sich
neben René stellte. Es
war ergreifend, wie René
mit feuchten Augen seine
Ute ansah und der
Pfarrer mit seiner Rede
begann. Er verglich die
Ehe mit einem
Rosengarten, der gehegt
und gepflegt werden müsse,
um richtig zu gedeihen.
Dies sei dem Paar in den
25 Jahren Ehe gut
gelungen.
„Wie
man sehen kann, weiß
ich vom Düngen eine
Menge und mein grüner
Daumen hilft mir sehr
dabei“, platze Ute
heraus. Alle lachten,
inklusive dem Pfarrer,
der dann kundtat, dass
er so ein lustiges
Eheversprechen noch nie
gehabt hat. Ein langer,
intensiver Kuss
besiegelte die
Erneuerung ihres
Eheversprechens. Musik
ertönte, es wurde
geklatscht und das Paar
tanzte hingebungsvoll
einen langsamen Walzer.
Zwei Tage blieben
der Gruppe noch,
gemeinsame
Unternehmungen zu
starten, die meist von
Besichtigungen geprägt
waren. Das
Wachsfigurenkabinett
durfte nicht fehlen und
natürlich die Blue Men
Show.
Am letzten Tag
ihres Aufenthaltes
kribbelte es Dorothee in
den Fingern. Wenigstens
einmal wollte sie ihr Glück
an den Ein-Arm-Banditen
mit 1-Cent-Stücken
herausfordern. Alle
Maschinen versprachen
zwischen 1000 und 5000
Dollar Gewinn. Sie
setzte 10 Dollar ein und
bis auf 2 Dollar verlor
sie innerhalb einer
halben Stunde. Sie gab
nicht auf. Plötzlich
signalisierte der
Ein-Arm-Bandit mal 320
1-Cent-Stücke, mal 180
usw. Sie spielte sich
hoch bis auf insgesamt
40,-- Dollar. Schnell
ließ sie den
Papiercoupon an der
Kasse in Dollarscheine
wechseln. 30,-- Dollar
Gewinn waren zwar nicht
viel, aber wenigstens
hatte sie ihren Einsatz
raus und etwas mehr
Dollars in der Geldbörse.
Am
14. Juni trafen sich
alle noch einmal zu
einem Abschiedstrunk.
Mit
einem lachenden und
einem weinenden Auge
wurden die Koffer
gepackt und an die Rückreise
gedacht. Einhellig
vertraten alle die
Meinung, dass die Rückflüge
problemloser sein würden.
Gegen Mitternacht lagen
sie in ihren Betten.
Damit
Alexander und Dorothee
nicht wieder verpennten,
ließen sie sich am nächsten
Morgen per Telefon um
5:00 Uhr wecken. Kurze
Zeit später klopfte Ute
an die Zwischentür,
steckte ihren Kopf durch
und mit einem
verschmitzen Lächeln flötete
sie:
„Aufstehen,
verpennen gibt’s
nicht, in einer halben
Stunde treffen wir uns
beim Frühstück!“
Für 7:00 Uhr war
ein Taxi bestellt, das
die kleine Gruppezwei Stunden vor
Abflug zum Flughafen
brachte. Prompt fuhr
auch dieser Taxifahrer
am Schalter American
Airlines vorbei, musste
nochmals eine große
Runde drehen, was sich
mit 4,50 Dollar
Mehrkosten auf der Uhr
bemerkbar machte, bis er
die Gruppe
absetzte.
Good
bye Amerika, good bye
Las Vegas
!
Das Einchecken
geschah ohne
nennenswerte Zwischenfälle.
Leider flog die Maschine
wieder mit erheblicher
Verspätung ab. Es war
fraglich, den
Iberia-Anschlussflug von
Chikago nach Madrid zu
erreichen. Da noch zwei
Personen nach Madrid
fliegen wollten, wartete
die Iberia-Maschine.
Eine
Hostess stand am
Ausstieg des
American-Airline-Fliegers
und brachte alle sieben
Personen im Dauerlauf
zur Iberia-Maschine. Als
sie sah, dass der siebte
Flugpassagier
gehbehindert war,
verfrachtete sie ihn
kurzerhand in einen
Rollstuhl und rannte mit
ihm hinter der Gruppe
her. Erneut waren
endlose Distanzen von
einem zum anderen
Flugsteig zu überwinden.
„Nee,
das ist ja wieder
hammerhart“, meckerte
Dorothee. „Diese
Hektik und Rennerei ist
nichts mehr für Oma und
Opa, zukünftig gibt’s
nur noch Reisen in
Europa.“
Sämtliche
Passagiere hatten schon
eingecheckt. Auf dem Weg
zu ihren Sitzplätzen
erhaschten die sieben
heftig atmenden Nachzügler,
mit Schweißperlen auf
der Stirn, von vielen
ein verständnisvolles Lächeln.
Unverzüglich hob die
Maschine ab und landete
nach acht Stunden
Flugzeit fast pünktlich
in Madrid. Mit Air
Nostrum ging esnach circazwei Stunden
weiter nach Valencia.
Fazit
der Reise:
Ein
Aufenthalt in Las Vegas
ist anscheinend ohne Las
Vegas-Koller nicht möglich.
Kurz nach der Ankunft
ereilte er Alexander und
Dorothee, sie nannten
ihn den
‘Reisekoller’. Während
des Aufenthalts bekamen
René, Ute und Severine
den ‘Las
Vegas-Koller’, was
nicht verwunderlich war.
Egal, welches Casino man
betrat, die Geräuschkulisse,
besonders die Musik,
beleidigte die Ohren.
Abschließend
sei festgehalten:
Drei Tage Las Vegas reichen dicke, acht
Tage sind fünf zu viel!
Als
die Nachzügler die
Iberia Maschine in
Chikago erreicht hatten,
war der
‘Take-Off-Befehl’
zum Abflug schon
erfolgt. Auf ihr Gepäck
konnte sie nicht mehr
warten. Das merkten sie
erst, als sie ihre
Koffer am Gepäckband in
Valencia abholen
wollten. Sie warteten,
doch die Koffer kamen
nicht. Fassunglos
starrten sie auf das
mittlerweile
bewegungslose Band.
Nach
einiger Zeit klärte sie
ein freundlicher Zöllner
auf:
„Es
kommt nichts mehr, Sie
warten vergeblich.“
Das
aufgegebene Gepäck
wurde zwei Tage später
nachgeliefert.
Dorothee und
Alexander waren glücklich,
dass sich ihr Wunsch:
‘Noch einmal Las Vegas
und zurück’ erfüllt
hatte. Gleichzeitig
stellten sie fest, dass
eine derartig lange
Reise an ihre Grenzen
stieß.
René,
Ute und Severine wurden
vom Amerika-Fieber
angesteckt. Für das
kommende Jahr planen sie
eine neue Reise nach
Kalifornien und Texas.
Kein Wunder, Dorothee
und Alexander ging es
viele Jahre ähnlich.